
Im noch jungen Jahr bringen die letzten blinkenden Wunderkerzenfunken förmlich noch die Luft zum Glühen und hier und da tauchen in den Zimmerecken noch bisher vom Neujahrsputz verschont gebliebene bunte Konfettischnipsel auf. In dieser Zeit des Neubeginns werfen wir einen Blick zurück auf das Jahr, das wir hinter uns gelassen, und auf das Jahr, das wir frisch betreten haben.
Ein echter Paradigmenwechsel: Proaktiv berlinweit bei der Polizei eingeführt
2025 war ein Jahr mit Signalwirkung, denn Berlin hat einen bundesweit einmaligen Paradigmenwechsel im Opferschutz vollzogen: Als erstes Bundesland wurde proaktiver Opferschutz für Betroffene aller Straftaten als neuer Standard eingeführt. Seit Herbst 2025 arbeiten nun alle Polizeidirektionen und viele Dezernate des Landeskriminalamts proaktiv. Das heißt: Die individuellen Bedürfnisse von betroffenen Menschen werden frühzeitig erkannt und Hilfe kann schnell, passgenau und damit besonders wirkungsvoll ansetzen.
Ein wachsendes Netzwerk für starken Opferschutz
Auch das Netzwerk proaktiv wächst weiter. Mit LARA, einer Beratungsstelle, die seit über 30 Jahren Frauen, trans*, inter* und nicht-binäre Personen nach sexualisierter Gewalt unterstützt, sowie der Beratungsstelle für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, und der Fachberatungs- und Koordinierungsstelle bei Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen – beides Angebote des Trägers IN VIA – sind im vergangenen Jahr neue spezialisierte Einrichtungen Teil des Netzwerks geworden und stärken die Allianzen im Einsatz für Betroffene von Straftaten.
Noch mehr Menschen erreichen: neue Videos und erweitertes Sprachangebot
Um Betroffene noch niedrigschwelliger ansprechen zu können, wurden mehrsprachige Kurzvideos entwickelt, die das proaktive Angebot verständlich erklären und zur Nutzung einladen. Diese sind auf den Diensthandys der Polizeibeamt*innen sowie auf unserer Website abrufbar.
Darüber hinaus wird auch das Sprachangebot unseres Vermittlungsformulars erweitert, um zusätzliche Betroffenengruppen zu erreichen: Es steht in Kürze neben den sieben bereits existierenden Sprachen auch auf Bulgarisch, Farsi und Vietnamesisch zur Verfügung.
2026 – ein vielversprechender Ausblick
Der Blick ins Jahr 2026 ist vielversprechend, denn an Weihnachten ist eine Novelle des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) in Kraft getreten. Die Novelle birgt viel Potential für den proaktiven Opferschutz: Sie macht ihn leichter umsetzbar, indem er direkt in die standardgemäße polizeiliche Fallbearbeitung integriert wird. Dadurch werden die Prozesse vereinfacht, beschleunigt und der Datenschutz wird verbessert. Für Betroffene ist das Verfahren noch niedrigschwelliger.
Auch darüber hinaus wollen wir den Opferschutz stärken und das proaktive Hilfsangebot weiter ausbauen. Hierzu planen wir die Einführung von proaktivem Opferschutz bei der Onlinewache der Polizei Berlin sowie eine Erweiterung des Netzwerks proaktiv: Noch Ende des letzten Jahres gab es ein erfolgreiches Kooperationsgespräch mit MANEO, einem schwulen Anti-Gewalt-Projekt, an welches wir in Kürze Betroffene vermitteln können. Mit einer weiteren Beratungsstelle findet bereits ein vielversprechender Austausch statt.
Außerdem richtet sich deutschlandweit Aufmerksamkeit auf unser Projekt: Interessierte aus Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Baden-Württemberg kamen auf uns zu und wir freuen uns, unsere Erfahrungen zu teilen. Wir sind gespannt, wo in Zukunft weitere proaktive Opferschutzprojekte entstehen werden.
Danke
Wir bedanken uns bei allen, die uns durch das vergangene Jahr begleitet haben und diese für den proaktiven Opferschutz so wichtigen Schritte gemeinsam mit uns gegangen sind. Und wir freuen uns schon auf das frisch angebrochene Jahr und all das, was wir mit vereinten Kräften für betroffene Menschen erreichen können.
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Schreiben Sie gern eine kurze Nachricht an info@proaktiv-berlin.org. Gern nehmen wir Sie in unseren proaktiv-Newsletter auf.
